Der Filmerzieher (Ilse Aichinger über Gerhard Gruber)
Neusten News von Gerhard Gruber - Stummfilmpianist
19.09.2008
Der folgende Artikel von Ilse Aichinger über den Stummfilm-Pianisten Gerhard Gruber erschien im Oktober 2006 in ihrem Buch "Subtexte" (Verlag Korrespondenzen) sowie im Buch "Kino ohne Land" (No place for a cinema) von Almut Rink und Ruth Kaaserer (Verlag Czernin):
DER FILMERZIEHER
Weder trägt er einen Wiener Orden, noch sorgt er im Rathaus für Aufregung und Rätselraten wie Michael Jackson. Gerhard Gruber, Komponist und Musiker ("der Klavierspieler", wie er für mich heißt), kommt aus der kargen Landschaft des Mühlviertels. Er improvisiert auf dem Klavier zu Stummfilmen, in dem Dreieck, in dem auch ich mich oft bewege: zwischen Metro-Kino, Breitenseer Lichtspielen und Filmmuseum - nicht Bermuda, aber doch der sicherste Ort, um zu verschwinden.
Er macht jeden Film erst möglich und ihn zugleich unnötig. Wer seine Hände auf den beleuchteten Tasten sieht, kann es riskieren, selbst Chaplin zu vergessen, um seiner Erinnerung an ihn aufzuhelfen. Sollte man sich bei Selbstvergessenen fragen, wie viel sie zu vergessen haben? Für Gerhard Gruber ist das nicht relevant. Komponieren ist ein intellektueller Akt, erklärt er, Improvisation ein Liebesakt. "Es würde mich nicht wundern, wenn mein Spiel den Film verändert." Ob er, der weiß, wie viel den Bildern durch das Dialogkino verloren gegangen ist, eine "Petition gegen den Tonfilm" unterzeichnen würde?
"Grubers Form der Bescheidenheit ist zugleich seine Größe", sagt Alexander Horwath (Österreichisches Filmmuseum). "Die spezielle Tatsache, dass bei der Stummfilmmusik der eine Teil ,tot' (d. h. alt und auf Zelluloid gespeichert) und der andere Teil ,lebendig' (also live anwesend und handlungsfähig) ist, verlangt paradoxerweise nach einem Musiker, der sich gerade mit diesem Umstand (also mit dem eigenen ,Vorteil') nicht zufrieden gibt, der den ,toten' Teil genauso lebendig haben möchte, wie er selbst es ist."
"Mir geht die Luft nicht aus, aber ich weiß nicht, was ich mit ihr anfangen soll", konstatiert E. M. Cioran. Aber wer Gerhard Grubers Klavierspiel hört, ist wieder imstande, seinen Atemzügen zu trauen. "Wir gehen durch die Felder und freuen uns", schrieb Adalbert Stifter (wie lange vor der Nacht, in der er sich mit dem Rasiermesser die Kehle durchschnitt, wäre sicher herauszufinden). "Der Mann kann sehr glücklich sein", heißt es in der Stifter-Monografie von Urban Riedl - und das führt wieder zum Stifter-Fan Gerhard Gruber.
Die Frage nach dem "Subtext" einer Person bewegt sich bei Stifter und Gruber konträr und doch aufeinander zu. Gerhard Gruber hat Glück mit sich selbst und sollte, falls er Lust hat, dieses Glück noch sehr lange weitergeben. Er weiß, dass man das Urwüchsige zerstört, wenn man es ans Licht zerrt; dass man tötet, was man entmystifiziert. Wenn der "Skwaraismus" (so Martin Walser über Erich Wolfgang Skwara) "die Leidenschaft ist, die ihre Unerfüllbarkeit zum Programm macht", so ist Gerhard Gruber der leibhaftige Antipode zu dieser Definition.
Auch schwer erträgliche Zustände weichen für den, der zum Beispiel nach dem Film "Die Lawine", einem nach Gerhard Gruber "schwer erziehbaren Film", nach Hause oder sonst wohin geht. (Manche Filme tragen sich von selbst, erklärt er, andere müssen "gezogen" werden. Aber es sei Sache des Erziehers, auch die zu mögen, die er nicht mag.) "In der Nacht laufen die Stummfilme weiter. Ich träume in Stummfilm, blau viragiert." Und "Der Typ vom Grab nebenan" (heute um 18 Uhr im Cine-Kino)? Man sollte ihn dort herausholen und zusammen mit anderen Scheintodgefährdeten rasch nach Breitensee zu Gerhard Gruber bringen.
(mit freundlicher Genehmigung der Autorin)
LANDESKULTURPREIS 2008 AN GERHARD GRUBER Am 25.März 2009 wurde dem Theaterkomponisten und Stummfilmpianisten in einer sehr persönlichen und heiteren Feier
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... Und dass man kein Orchester und auch kein Kammerensemble braucht, wenn
man mit Gerhard Gruber einen Komponisten hat, der den Schauspielern
Juchzer und Schluchzer auf die Kehle schreibt und dazu in seiner
Percussionskammer alle Töne und Melodien erzeugt, um das wilde Treiben
entsprechend zu untermalen oder gar zu tragen, steht zudem gleich
einmal fest....
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Im Oktober 2008 erscheint in der Reihe "Der österreichische Film - Edition Der Standard - Filmarchiv Austria - Hoanzl.at der Stummfilm "Cafe Elektric" (1927) mit der Musik von Gerhard Gruber
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Stummfilmtermine mit Gerhard Gruber - den aktuellen Kalender finden Sie hier:http://silentmoviedates.blogspot.com/
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REPORT ON SILENCE! FESTIVAL OF SILENT FILM,ROTORUA, NEW ZEALAND APRIL 2008 - "Audiences were immediately impressed by Mr.Gruber’s virtuosity on the piano, knowledge of the genre and by the quality of the Austrian films shown."
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Gerhard Gruber, geboren 1951, ist der österreichische Pianist, dem diese Interpretation des Werkes von Vertov zu verdanken ist. Er ist auf Jazz-Improvisation spezialisiert und gehört heute zu den einflussreichsten aktiven Musikern, die sich mit Stummfilmen beschäftigen.
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The audience was dumb struck by Gruber's dynamic and delicate performance of his magic piano which blended so perfectly with Sawato's masterful benshi-narration.
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"Stummfilmmusik im Sinne Grubers ist stets ein partnerschaftlicher Vorschlag; in einer Partnerschaft, die garantiert nie langweilig wird. Eine "offene Beziehung" mit einem innigen Vertrauens- verhältnis." (Zitat Alexander Horwath, Direktor Österreichisches Filmmuseum)
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